Japan II – Verstärkung

Wir haben unserer kleine Auszeit vom Radeln genossen, obwohl es mal wieder verdammt kalt war und unsere Gastgeber nur die Küche mit einem Holzofen heizten. Aber zum Schlafen haben wir jeweils eine Wärmflasche mit in den Schlafsack bekommen. Am nächsten Tag hatten sich dann auch die Regenwolken langsam verzogen und wir radelten durch die so ganz andere Landschaft rund um den Mt. Aso. Von dort ging es dann durch tiefe Schluchten bergab Richtung Fukuoka. Die Nacht verbrachten wir wohl weislich unter dem Dach mitten zwischen den Kochgelegenheiten eines freien Campingplatzes, da mal wieder Regen vorhergesagt war. So kam es dann auch, dass wir uns im strömenden Regen nach Fukuoka kämpfen mussten.

Dort hatten wir zwei, nein eigentlich drei Missionen zu erfüllen. Erstens unsere Freundin Christin, unsere Reisebegleitung für die kommenden zwei Wochen, vom Flughafen abholen. Zweitens mal wieder alte Bekannte, zwei holländische Reiseradler treffen, welchen wir immer wieder über den Weg fahren. Und drittens eine neues Tretlager für Flo aufzutreiben. Ja unser Equipment zeigt so langsam ernsthafte Verschleißerscheinungen. Tretlager ist hinüber, die Ketten und Ritzelkränze sind ziemlich abgeschliffen, unser Zelt und die Hosen haben überall Löcher, … Es wird Zeit dass wir nach Hause kommen 😉

Am 1. April kam Christin pünktlich nach einem langen Flug in Fukuoka an. Sie hat sich getraut uns in ihrem Urlaub für zwei Wochen mit dem Rad zu begleiten. Dies bedurfte einiger Planung im Voraus, eine Packliste wurde geschrieben, sie musste extra ein Rad aus Deutschland mitbringen, und wir mussten unser zweites Zelt behalten. Aber wir haben uns sehr auf die Abwechslung und die Verstärkung gegen Ende unsere Reise gefreut!

Wir haben die Arme dann gleich ins kalte Wasser geworfen. Das Wetter war mal wieder nicht überragen und ziemlich kühl. Die ersten beiden Nächte im Zelt hat sie wohl kaum geschlafen und ziemlich gefroren. Sie hat uns wohl in dem Moment ein bisschen verflucht :), aber das Wetter wurde besser und wir konnten sogar in kurzer Hose und T-shirt radeln. Wir sind über einige Pässe und möglichst kleine Straßen nach Beppu, einer berühmten Onsenstadt, am Meer geradelt. Einmal war die gewählte kleine Straße leider etwas zu unberührt und wir standen nach einigen Kilometern auf einer mit Gras überwucherten Straße vor einer Blockade durch Strohballen über die wir mit unseren Rädern und Taschen erst mal klettern mussten. Die Explosionen von dem nahen militärischen Truppenübungsplatz verliehen dem Ganzen noch einen zusätzlichen Reiz.

In Beppu angekommen mussten wir natürlich gleich eine heiße Quelle, den Onsen, aufsuchen. In der Regel badet man getrennt nach Geschlechtern in einem Badehaus, aber wir haben eine nette kleine Quelle im Freien mit sehr heißem Wasser gefunden. Frisch gebadet ging es dann auf die Fähre zur Insel Shikoku, unserem nächsten Ziel. An Bord haben wir uns eine Flasche Wein gegönnt und die letzten Sonnenstrahlen genossen, bevor es in den Massagesessel und zu einem keinen Nickerchen nach drinnen ging.

Shikoku empfing uns mit deutlich wärmeren Temperaturen und wir bekamen auch endlich mal Kirschbäume in voller Blüte zu sehen. Wie schon Kyushu ist auch Shikoku extrem bergig. Das heißt so bald man von der Küste weg kommt, geht es steil bergauf. Wir haben uns für den ersten Tag eine schöne Strecke durch die Berge und am zweiten Tag die Küstenstraße als gute Mischung ausgesucht. Die Nacht verbrachten wir direkt am Meer. Allerdings sollte sie etwas besonderes werden. Erstens war es extrem stürmisch, fast schon patagonische Verhältnisse, und zweitens wurden wir gegen Mitternacht durch heulende Sirenen im Ganzen Dorf und Durchsagen auf Japanisch geweckt … Tsunami??? Aber da haben wir dann auch schon den Feuerschein in der Ferne gesehen. Wir haben uns dann kurz die Lage etwas angeschaut und sind zurück ins unsere Zelte gekrochen.

Vom stürmischen Rücken- und Seitenwind getrieben kamen wir zügig in Matsuyama an, wo wir einen wohlverdienten Ruhetag eingelegt haben. Wir sind durch die Parks mit wunderschön blühenden Kirschbäumen geradelt, haben uns die berühmte Burg hoch auf dem Hügel und buddhistische Tempel angeschaut. Hier sieht man jetzt schon mehr Touristen und vor allem auch Pilger, denn Shikoku ist berühmt für seine Pilgerwege über die ganze Insel zu den 88 Tempeln. Um ein bisschen mehr in die japanische Kultur einzutauchen haben wir uns ein Bad im ältesten Onsen Japans mit anschließendem Tee trinken im Kimono gegönnt. Sehr entspannend! Morgen geht es gestärkt bei hoffentlich wieder etwas besserem Wetter weiter.

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Ein Gedanke zu “Japan II – Verstärkung

  1. Hallo Kathi, Christin und Flo,
    so kann man sich taeuschen wenn man es mit Extremsportlern zu tun hat. Wir dachten, auf der letzten Etappe in Japan laesst ihr es langsam angehen und am Ende gemuetlich auslaufen, dominant wuerden die Gedanken an die Heimreise sein. Stattdessen faehrt ihr nach wie vor volles Programm und koennt ueber eine Vielzahl von neuen Erlebnissen und Erfahrungen berichten. Wieder ein toller und ausfuehrlicher Bild-Bericht. Offensichtlich spielt jedoch das Wetter leider nicht so recht mit.
    Christin hatte wohl einen fast brutalen Einstieg in’s Unternehmen „cyclelust/Wanderlust“ erlebt: Kaelte,Regen und schlafen im Zelt, bei diesem Sauwetter… Doch wie man auf den Bildern sehen kann, hat sie alles gut ueberstanden und sitzt inzwischen auf der selben Sattelhoehe, wie alle im Trio.
    Weiterhin viel Glueck und nun 3-fach Freude auf der Japantour.
    P e d a l e‘
    Thip und Guenter

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