Japan I – Überraschungen

Jetzt hieß es Abschied nehmen von Südkorea. Am Fährterminal haben wir unsere letzten Münzen für ein standesgemäßes Abschiedsbier am Hafen zusammen gekratzt. Die Koreaner waren sehr entspannt und wir durften unsere Räder einfach durch die Sicherheits- und Passkontrollen auf die Fähre schieben und selbst festbinden. Dann hieß es erstmal im allgemeinen Gedränge unser Schlafgemach zu finden, bevor wir die Fähre weiter erkunden konnten. Wir haben zum Glück den Bierautomaten zügig gefunden und so waren wir gleich noch für den Abend versorgt. Tolle Sache! Vor dem Schlafen gehen ging es noch auf einen kurzen Abstecher in den Schiffsonsen um sich zu waschen. Voller Vorfreude auf Japan schliefen wir sehr gut und kamen recht entspannt am nächsten Morgen in Fukuoka an.

Die Stadt haben wir aber gleich wieder verlassen und uns auf den Weg an der Küste entlang Richtung Südwesten gemacht. Auch wenn die Temperaturen noch nicht wirklich warm waren, so merkte man doch deutlich das es schon mehr Richtung Frühling ging im Vergleich zu Südkorea. Nachdem wir von vielen Leuten von tollen Zeltplätzen in Japan gehört und gelesen hatten, waren wir schon gespannt wie es uns ergeht mit dem Zelten. Dies wird mehr oder weniger geduldet wenn man sich diskret verhält und nicht auf Privatbesitz ist. Am ersten Abend fanden wir dann auch gleich einen tollen Camping Spot direkt am Meer.

Leider hatten wir am zweiten Tag meistens noch ziemlich viel Verkehr, und nahmen uns vor wenn möglich auf kleine Nebenstraßen zu fahren. Zusammen mit vielen Wochenendausflüglern tuckerten wir so am Meer entlang und konnten die Sonne und die Ausblicke genießen. Wir sollten es noch zu schätzen wissen, da uns am nächsten Tag erstmals kräftiger Regen bevorstand. Hilft ja nichts, rein in die Regenklamotten und drauf los. Wir mussten wohl ein recht erbärmliches Bild bei unserem Mittagsmahl im Convenient Store abgegeben haben, da uns gleich ein Japaner mit zwei Powergels und Kraftkeksen beschenkte. Super! Nachdem wir aber dann doch ziemlich durchnässt waren am Nachmittag, haben wir uns eine Unterkunft gegönnt, und uns unglaublich auf die heiße Dusche gefreut.

Irgendwie dachten wir, dass es jetzt in Japan Frühling und sonnig und recht warm ist. Satz mit x …  Wenigstens hat uns der stürmische Wind kräftig angeschoben und so haben wir die ganzen Shopping-Stadtrandgebiete um Nagasaki schnell hinter uns gelassen. Und uns an die erste richtige Bergetappe zum Vulkan Mt. Unzen gemacht. Auf einer schönen Zickzack-Straße schraubten wir uns nach oben. Dort war die Luft dann zwar nicht dünn, aber auf Grund des schwefeligen Gestanks fiel uns das Atmen dann trotzdem etwas schwerer. Das Onsen-Dorf war noch halb im Winterschlaf, und wir sind dann auch lieber doch nicht in die heißen Gewässer gesprungen, da wir danach keinen Meter mehr weitergefahren wären, aber noch den halben Berg wieder hinunter mussten um einen Platz zum Zelten zu finden. Der allerdings dann super Morgensonne zu bieten hatte.

Eine kurze Fährfahrt brachte uns nach Amakusa, eine der zahlreichen kleinen Inseln hier in der Gegend. Und gleich war beinahe kein Verkehr mehr, und das Radeln sehr entspannt. Abends fanden wir einen offiziellen Zeltplatz mit genialem Ausblick über die angrenzenden Inseln. Wir schlugen unser Zelt ganz an der Spitze auf, und konnten beim Kochen den großen Schiffen unten auf ihrem Weg zum Hafen zu sehen.

Leider weckte uns am nächsten Tag ein Prasseln auf unserem Zelt, beschissenes Wetter. So wurde die tolle Küstenstraße eher zu einem „Kopf runter und durch“ Abschnitt. Wasser kam von überall, oben und unten. Zurück auf dem Festland war die Sache auch nicht viel anders, nur leider nun auch noch recht hügelig und windig. Toller Tag … Gegen Abend waren wir mal wieder trotz Regenklamotten klitschnaß und eine Unterkunft war noch nicht in Aussicht. Nach Zelten war uns so naß und kalt auch nicht wirklich. Irgendwas Gutes muss doch an so einem Scheißtag auch passieren, das gibt es doch gar nicht. Und Abrakadabra, siehe da. Steht eine junge Frau am Straßenrand und winkt uns zu ihrem Auto heran. Wo wir denn hinwollen jetzt? Puh, keine Ahnung, irgendwo ins Trockene wäre gut. Ja, sie würde uns gerne zu sich nach Hause hier gleich in der Nähe einladen, ob wir wollen? Bitte??? Natürlich!!! Angekommen bei Risa und Kenji zu Hause kamen wir aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus. Wir wurden gleich im Wohnzimmer platziert, durften unsere kalten, müden Beine unter den Heiztisch stecken, und bekamen gleich Tee und Reiskuchen serviert. Die beiden Mitvierziger wohnen zusammen in einem kleinen Häuschen, nicht weit vom Meer und sind leidenschaftliche Surfer. Beruflich haben sie einige Felder wo sie Trauben und andere Sachen anbauen. Sie servierten uns ein ausladendes japanisches Abendessen und wir hockten noch lange zusammen und ratschten, bevor wir unser Gästezimmer bezogen und sofort eingeschlafen waren. Wer hätte sich so ein Ende des Tages träumen lassen!

Am nächsten Morgen erwartete uns ein Frühstück mit selbst gebackenem Brot und Smoothie. Da wir es nicht wirklich eilig hatten von den Beiden wegzukommen, zeigten sie uns am Vormittag noch ein wenig die Gegend welche bei trockenem Wetter doch gleich viel einladender wirkte. Dabei haben wir am Strand auch einen tollen Platz zum Zelten gesehen, und so als wir uns am Nachmittag aufmachten, gleich wieder zum Strand begeben und unser Zelt aufgeschlagen.

Zum Glück war der Platz überdacht, da es morgens mal wieder regnete. Aha, kennen wir schon irgendwoher. Aber wir hatten nur eine kurze Etappe, da wir abends bei Hatsue, welche wir über Couchsurfing gefunden hatten, eingeladen waren. Wir waren aber trotzdem froh am frühen Nachmittag wieder aus dem Regen zu kommen und bei ihr im Trockenen unterzukommen. Sie arbeitet für eine NGO, welche sich um Betroffene der Minamata Disease, eine Quecksilbervergiftung, kümmert. Sie hat uns viel über die starke Umweltverschmutzung in der Gegend Mitte des 20. Jahrhunderts erzählt. Abends gab es dann ein Treffen mit Freunden von ihr, welche ein Umweltcamp betreiben und es war Gemüseschneiden in der großen Gruppe angesagt. Hatsue war es auch die uns erzählt hat, dass es dieses Jahr ungewöhnlich kalt und regnerisch ist und eigentlich die Kirschblüte schon in vollem Gang sein sollte …

Die Sonne schaffte es auch am nächsten Tag nur kurz durch die Wolken, bevor die ersten Schauer kamen. Aber die konnten wir noch relativ gut aussitzen, kein Vergleich zu dem Dauerregen sonst! Abends kamen wir mal wieder an einen offiziellen Zeltplatz. Als wir meinten, dass es für uns ein bisschen zu teuer sei, bekamen wir als Antwort, wir sollen erstmal reinkommen. Ah, vielleicht ergibt sich bei den so freundlichen Japanern eine Gelegenheit. Und siehe da, statt Zelten im Regen, bekamen wir eine Art japanische Berghütte mit Küche, Bad und heißer Dusche für uns, und das dann auch gleich umsonst. Aha, Wahnsinn diese Japaner!! Und am nächsten Tag bekamen wir auch noch Frühstück serviert und traditionelle Karpfenfahnen geschenkt.

Gut gestärkt ging es also ab in die Berge. Zunächst dachten wir noch Schauer sind besser als Dauerregen, aber nachdem diese an Intensität und Dauer deutlich zunahmen beschlossen wir einen kurzen Tag einzulegen. Zum Glück fanden wir einen Campingplatz, wo wir unser Zelt unter dem Dach aufschlagen konnten. Und die frostigen Temperaturen um die Null Grad sind wir ja auch schon gewohnt.

Am nächsten Morgen weckte uns Strahlender Sonnenschein und die vom Neuschnee weißen Bergspitzen leuchteten. So macht das Radeln wieder Spaß und wir genossen den Tag durch die Berge zum Mt. Aso, unserem nächsten Vulkan. Hier konnten wir zwei Nächte bei einer Farmerfamilie bleiben und das Radeln gegen Kartoffelernten und Sojabohnen aussortieren tauschen. Und endlich unseren Blog schreiben!

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Ein Gedanke zu “Japan I – Überraschungen

  1. Hallo Kathi und Flo,
    ein toller Bericht. Sehr ausfuehrlich und eindrucksvoll. Wir konnten eure Reise ‚buchstaeblich‘ miterleben. So viel Pech wie ihr mit dem Wetter hattet, so viel Glueck hattet ihr mit den ueberraschenden Begegnungen und den netten, aussergewoenlich gastfreundlichen Bekanntschaften.
    Wie wir von Erich wissen, wird euch Christin in Japan besuchen und auf der letzten Etappe eure Radlpartnerin, Sportsfreundin und Abenteuerteilhaberin sein. Wir denken sie bringt nicht nur Unterhaltung und Geselligkeit sondern auch neuen Schwung, besonders beim ‚Windschattenfahren‘, fuer die letzten paar hundert-, oder paar tausend Kilometer mit sich.
    Nachdem eure Weltreise in Japan endet und wir nicht wissen ob es noch einen weiteren Bericht geben wird, wollen wir uns heute schon fuer die absolut ungewoehnlichen und interessanten Informationen und die tollen Bilder bedanken.
    Wir wuenschen euch eine glueckliche Heimreise und eine erfolgreiche ‚Wiedereingliederung‘ in Deutschland. (Eure Paesse sind ja wohl noch gueltig)???
    Es waere schoen, euch wieder einmal in Hua Hin zu treffen. Ihr muesst ja nicht mit dem Fahrrad kommen, ihr seid auch als Flugreisende willkommen!!!
    Mit den besten Wuenschen von euren ‚geistigen Reiseteilnehmern‘

    P e d a l e‘

    Thip und Guenter

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