Südkorea I – Kalt, Kälter, Korea

Zugegeben es ist nicht wirklich extrem kalt, aber für uns war es schon ein doppelter Schock nach 6 Stunden in der Blechbüchse hier anzukommen, und auf einmal hatte es nur noch einstellige Plus-Grade. Nachdem mit dem Fliegen alles gut geklappt hat, waren die beiden Radl auch schnell wieder montiert und startklar. Draußen empfing uns strömender Regen, und so wurden die 25 km vom Flughafen in die Innenstadt von Busan gleich mal zu einer der schlimmsten Etappen der Reise. Durch den dichten Feierabend-Verkehr und bei aufkommender Dunkelheit kamen wir nach knapp 3 Stunden ziemlich fertig in unserer Unterkunft an, und waren froh nach einer heißen Dusche und was zu Essen schnell ins Bett zu kommen.

Am nächsten Tag empfing uns dann aber strahlender Sonnenschein, bei allerdings eisigem Nordwind und wir konnten mit unserer Akklimatisation beginnen. Als Erstes mussten wir noch unser Päckchen mit dicken Klamotten welches wir aus China hierher geschickt hatten abholen. Um die zusätzlichen warmen Schichten waren wir heilfroh! Um uns aufzuwärmen haben wir auch gleich noch ein koreanisches Bad / Sauna (Jjimjilbang) aufgesucht. Dies besteht aus nach Geschlechtern getrennten Bade-, Wasch- und Saunaräumen und einem gemeinsamen  Aufenthaltsbereich, in dem man essen, entspannen und schlafen kann. Man kann in vielen sogar über Nacht bleiben! Auch unser erster Kontakt mit der koreanischen Küche verlief sehr vielversprechend, und wir bekamen zwei dampfende Suppentöpfe und allerlei Kleinzeugs vorgesetzt. Prima um sich aufzuwärmen bei den Temperaturen.

Nach 3 Tagen in Busan ging es aber dann doch endlich los Richtung Seoul. Nachdem wir nicht unbedingt nochmal Lust hatten quer durch die Stadt zu radeln, haben wir beschlossen die U-Bahn zu nehmen, was hier speziell am Wochenende ohne Probleme möglich ist, auch mit vollgepackten Rädern. Es gibt in Südkorea seit einigen Jahren ein Netz aus nationalen Radwegen welche meist entlang der großen Flüsse laufen. Wir wollten diagonal durchs ganze Land dem Radweg von Busan aus nach Seoul folgen. Besonders auf den ersten Kilometern war noch reger Betrieb und zahlreiche koreanische Radler und Wanderer waren mit uns unterwegs. Je weiter wir aber von Busan weg kamen, desto weniger wurden es. Es war zwar strahlender Sonnenschein, aber die frischen Temperaturen und der eisige Wind sorgten dafür, dass wir immer recht dick eingepackt geradelt sind.

Wir hatten uns vorgenommen wieder zu campen in Südkorea, zum einen da die Unterkünfte doch wieder teurer sind als in den letzten Monaten und auch weil es einfach schön ist abends am Fluss sein Zelt aufzuschlagen. Für unsere erste Nacht haben wir uns neben ein paar anderen hart gesottenen Koreaner niedergelassen. Es war interessant anzuschauen, dass das Campen wohl gerade groß in Mode zu kommen scheint. So tauchten abends noch immer mehr Leute auf, nur um zu kochen und im Zelt zu schlafen. Und das bei Temperaturen unter Null Grad! Wir waren schon etwas verwundert.

Durch die kühleren Nächte dauerte es auch wieder etwas länger bis wir morgens in die Gänge kamen, und wir warteten immer bis die Sonne sich blicken ließ bevor wir aus dem Zelt krochen. Der Radweg ist meistens sehr gut ausgebaut, und läuft an einigen Stellen sogar über extra Brücken und Stege. Leider führt er meist an Dörfern und Städten vorbei, was die Versorgung etwas schwieriger macht. So verließen wir immer mal wieder den Radlweg für kurze Abstecher in Städte und Dörfer um etwas Gutes zu Essen zu finden, oder etwas einzukaufen. Die Zeltmöglichkeiten entlang der Strecke sind sehr vielfältig, und meistens findet sich auch noch eine Bank, ein Tisch oder auch mal ein ganzer Pavillon dazu. Sehr praktisch 🙂

Unterwegs haben wir viele nette Leute getroffen, welche am Anfang meist etwas zurückhaltend sich, dann aber doch recht herzlich und freundlich. So wurden wir auch wieder auf Essen eingeladen, oder einfach nur ein paar Kilometer auf dem Radl begleitet. Natürlich nicht ohne das obligatorische Selfie.

Rechtzeitig zum angekündigten Regen hatten wir den höchsten Pass der Strecke mit knapp über 500 m überwunden und fanden uns in einem Thermalquellen-Dorf wieder, wo wir uns in einem kleinen Hotel einquartierten. Da es am nächsten Tag draussen immer noch nasskalt war, die Besitzer unglaublich nett waren, und wir auch ganz froh waren nach einigen Tagen draußen unser Zeug waschen und sortieren zu können, beschlossen wir gleich noch einen Ruhetag einzulegen. Es gibt einige öffentliche Badeanstalten, aber wir hatten auch den Luxus einer riesigen Badewanne in unserem Bad, welche direkt mit Thermalwasser gespeist wird. Da mussten wir dann nicht mal mehr das warme Zimmer verlassen.

Die verbleibenden Tage auf dem Weg nach Seoul verliefen recht entspannt, und wir legten meist nur kürzere Etappen um die 70-80 km zurück. Pünktlich zum Wochenende hatten wir auch wieder mehrere Mit-Camper in den Parkanlagen am Fluss, und auch einige Angler ließen sich nicht von den kalten Temperaturen abschrecken. Ebenfalls pünktlich zum Wochenende ging uns unser Bargeld aus. Angeblich sollte man recht einfach in den diversen Convenient Stores Geld abheben können, aber egal wieviel ATMs wir probierten keiner akzeptierte unsere Karten. Schon ein blödes Gefühl mit kaum Geld in der Tasche dazustehen … aber das schlechte Gefühl hat sich mal wieder in kürzester Zeit in Luft aufgelöst. Wir wurden nämlich vom örtlichen Radl-Club, welcher geradw eine große Picknickrunde veranstaltete, zum mehr als ausreichenden Mittagessen eingeladen. Und bekamen auch noch 1 kg Reiskuchen geschenkt. Die Verpflegung für den restlichen Tag war also gesichert. Das anschließende koreanische „Stöckchenspiel“ haben wir dann allerdings ausgelassen.

Die letzten Kilometer nach Seoul wurden dann noch sehr voll. Es war Sonntag, und es waren einfach unglaublich viele Leute auf Rädern unterwegs. Ganze Gruppen von Rennradlern und Mountainbikern heizten wie wild auf dem Radweg entlang, und man musste höllisch aufpassen wo man fährt. Vor allem da auch noch genügend Fußgänger herrum sprangen. Naja, mal eine andere Art von „Verkehrschaos“. Nachdem wir dann auch noch die Brücke auf die andere Flussseite gemeistert hatten, gab es zur Belohnung eine große Schüssel von Muscheln mit Nudelsuppe. Sehr lecker! Die Nächte in Seoul können wir bei Jo-Anna und Sanghyung bleiben, welche uns ihre Unterkunft über Warmshower angeboten haben. Da sie aber erst am Abend vom Skifahren zurück kommen, verbringen wir noch ein paar Stunden in einem kleinen Jjimjilbang um uns von den ganzen Strapazen zu erholen.

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Gedanke zu “Südkorea I – Kalt, Kälter, Korea

  1. Hallo Kathi und Flo,
    eure wohl letzte Haertepruefung habt ihr also in Korea durchgestanden, bei Regen und frostigen Temperaturen.
    Wir waren schon versucht, euch eine Aufwaermphase in Hua Hin vorzuschlagen. Die Distanz hier her, waere gemessen an eurer bereits zurueckgelegten Gesamtstrecke, doch wohl nur ein Katzensprung gewesen, oder ? Doch ihr habt beste Erholung auch in Jjmjilbangs und bei leckerem Essen gefunden und sitzt nun wieder fest im Sattel.
    Weiterhin viel cyclelust, viel Glueck und Spass auf eurer Reise.
    Wir freuen uns, dass wir das von euch Erlebte durch eure Berichte und Bilder miterleben koennen.
    Mit besten Wuenschen
    P e d a l e‘

    Thip u. Guenter

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